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Presse





Whisky verwöhnt nicht nur von innen.

Kirchheim - Menschen, die sich gerne einen edlen Whisky die Kehle hinunter rinnen lassen, sollten beim Lesen des nun folgenden Satzes nicht gleich aus dem Fenster springen: Die Kirchheimer Kosmetikerin Bettina Scherer hat ein Duschgel auf den Markt gebracht, das unter Verwendung eines fünf Jahre gereiften Single Grain hergestellt wird.

Da gewinnt der gemeinhin abfällig gebrauchte Begriff, „das kannst du dir in die Haare schmieren“ eine gegensätzliche Bedeutung. Denn wer sich den Körper oder den Schopf mit dem Produkt einseift, gönnt sich laut der Erfinderin des „Freaky Nature Mix“ eine „reine, naturbelassene und ökologische“ Körperpflege ohne den Zusatz von Parfüm, Aromen und Farbstoffen. Auch Konservierungsstoffe seien nicht verwendet worden, sagt Bettina Scherer, der Alkohol mache das Produkt unbegrenzt lange haltbar.
Die Idee für die „beschwipste Duschkosmetik“, wie die 45-Jährige die Essenz selber nennt, sei eine spontane Eingebung gewesen. Schließlich würden auch Schnapswickel als probates Hausmittel eingesetzt. Außerdem sei es wieder schwer im Kommen, „Whisky zu genießen“, wenngleich sie selbst keinen Tropfen Alkohol trinke. Ein Jahr habe sie an der richtigen Mischung getüftelt, allein die beiden Wirkstoffe, die dafür sorgten, dass das Gel trotz der Alkoholzugabe nicht wässrig werde, hätten 2000 Euro gekostet.

Die Note des Whiskys verflüchtigt sich schnell
Als Partner hat sie die Owener Whisky-Destillerie Gruel gewonnen, die für das Duschgel ihren „Tecker Single Grain 5 Years“ zur Verfügung stellt. Der Juniorchef Immanuel Gruel war von Bettina Scherers Idee schnell überzeugt: „Wir haben die Einstellung, reell zu arbeiten, und genau das hat sie auch rübergebracht.“ Damit, dass die edlen, fünf Jahre in Eichenfässern gereiften Tropfen vom Körper abgespült werden und schließlich im Abwassersystem verschwinden, habe er kein Problem. Wenn zwei hochwertige Produkte gemischt würden, komme dabei etwas Hochwertiges heraus, sagt der 24-Jährige. Ob das dann im Rachen oder auf der Haut lande, sei letztlich egal. Sein Großvater, der Firmengründer Christian Gruel, hat dazu offenbar keine Meinung. „Er enthält sich zu diesem Thema“, sagt sein Enkel.
Wieviel des edlen schwäbischen Teckers in die Halbliter-Glasflasche wandern, geben Bettina Scherer und Immanuel Gruel jedoch nicht preis, das sei ein „Betriebsgeheimnis“. Wer sich mit dem Whisky-Duschgel gewaschen hat, braucht sich übrigens keine Sorgen zu machen, bei einer eventuellen Polizeikontrolle in den Verdacht zu geraten, alkoholisiert hinter dem Steuer zu sitzen. Denn man duftet nach dem Waschen eher nach der „eleganten Vanillenote“ des für die Reifung verwendeten Bourbon-Fasses. Die Note des Whiskys verflüchtigt sich relativ schnell. „Darauf habe ich großen Wert gelegt“, erklärt Bettina Scherer, die in Kirchheim ein Kosmetikstudio betreibt. Schließlich solle lediglich die Kosmetik beschwipst sein, und nicht der Nutzer.
Bettina Scherer hat in den vergangenen Wochen und Monaten alle Zertifikate, Bescheinigungen und Prüfbescheide eingeholt, die benötigt werden, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Außerdem hat sie den „Freaky Nature Mix“ patentieren lassen, denn sie sei überzeugt, dass es sich um das erste und bisher einzige Duschgel mit echtem Whisky, ohne den Zusatz von Aromen handle. Auch für eventuelle Klagen großer Kosmetikkonzerne – das sei in der Branche durchaus üblich – sei sie gewappnet und habe vorsorglich bereits einen Fachanwalt konsultiert. Zunächst wird das Whisky-Shampoo im Gruelschen Hofladen und über die Internetadresse des Kosmetikstudios zu einem Preis von 39 Euro pro 500-Milliliter-Flakon verkauft. „Das ist erst der Anfang“, kündigt Bettina Scherer weitere Kosmetikprodukte an, die sie zusammen mit Immanuel Gruel herausgeben will. Welche genau, darüber hüllen sich die Geschäftspartner noch in Schweigen. Aber es darf durchaus davon ausgegangen werden, dass es sich dabei um „Beschwipstes“ handelt.

Quelle: Jürgen Veit (Stuttgarter Zeitung)
Datum: Donnerstag, 13. Oktober 2011

Ein schwäbischer Whisky mit Tradition

Der Owener Christian Gruel brennt seinen „Tecker“ seit mehr als 20 Jahren. Sein Enkel Immanuel tritt in die Fußstapfen des Großvaters und wird die Produktion von Single Grain und Single Malt im Familiensinne fortführen.
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Schotten und Schwaben ist nicht nur die Sparsamkeit gemein. Nein, sie lieben die raue Umgebung – dort das Hochland, hier die Schwäbische Alb. Und Sie hegen und pflegen ihre Nationalgetränke: In Schottland wird der Whisky gepriesen, die Württemberger sind überzeugt von ihrem Wein. Dass ein Schotte in seiner Heimat Trollinger anbaut, ist nur schwer vorstellbar. Aber den schwäbischen Whisky, den gibt’s. Christian Gruel brennt ihn schon seit mehr als 20 Jahren. Im Lauf der Zeit hat sein „Tecker“ beachtliche Bekanntheit unter Whiskyfreunden erlangt. Wäre es nach dem heute 74-jährigen aus Owen (Landkreis Esslingen) gegangen, hätte er schon viel früher damit angefangen. Doch sein Schwiegervater, der sich auf die Produktion von Obstbränden spezialisiert hatte, war strikt dagegen, Destillate aus Getreide herzustellen, obwohl er die dafür erforderliche Lizenz besaß. Die Idee, schwäbischen Whisky zu brennen, hatte Christian Gruel schon 1979 von einer von der Volksbank Kirchheim organisierten Schottlandreise mitgebracht. Bei der Tour war er auf den Geschmack gekommen. Als nach dem Tod des Schwiegervaters das Brennrecht auf ihn übergegangen war, legte er richtig los. Aus dem von seinem Vetter angebauten Bioweizen und zugekauftem Gerstenmalz brannte er das edle bernsteinfarbene Destillat und vollbrachte damit eine echte Pionierleistung. Zunächst füllte er den Whisky in die für Obstbrände üblichen Flaschen, weil ihm die überstürzte Anschaffung adäquater Behältnisse finanziell riskant erschien. Die kaufmännische Vorsicht blieb in der Beurteilung des Gruel´schen Produkts durch den berühmten, inzwischen verstorbenen Whisky-Experten Michael Jackson nicht unerwähnt: „Aus schwäbischer Sparsamkeit nimmt er zur Abfüllung Flaschen für Obstbrand“ schrieb er in einem seiner Bücher, in dem er den schwäbischen Single Grain wohlwollend beurteilte. Inzwischen wird der Tecker längst in ordentlichen Whiskyflaschen verkauft. Etwa 2000 Liter Single Grain und Single Malt stellt Christian Gruel pro Jahr in seiner Destillerie her, bis zu 40 Prozent seines Gesamtumsatzes bestreitet er damit. Allerdings verkauft er es erst, wenn es mindestens drei Jahre im Eichenfass gereift ist. Schließlich ist er inzwischen ein echter Traditionalist, dessen Nachfolge bereits gesichert ist. Denn sein 23 Jahre alter Enkel Immanuel wird den Familienbetrieb weiterführen, nachdem sich sein Vater und sein Onkel für andere Berufe entschieden hatten. Immanuel Gruel ist staatlich geprüfter Brenner und strebt nun den Meisterbrief an. Schon im alter von zehn Jahren hatte er dem Opa prophezeit, ebenfalls Brenner zu werden, mit 15 entschied er sich entgültig für diesen Beruf. Immanuel Gruel weiß, was einen guten Whisky ausmacht. Entscheidend seien die Getreide- und Destillatqualität, die Lagerzeit und die Art der Fässer. Letztere verleihen dem Whisky den Charakter – je nachdem, für welchen Inhalt sie ursprünglich bestimmt waren, geben sie die Note von Rotwein, Cognac, Portwein oder Sherry weiter. Die meisten der Gruel´schen Fässer aus verschiedenem Eicheholz sind 20 bis 30 Jahre alt und kosten rund 1000 Euro pro Stück. Eines ist gar 100 Jahre alt, Christian Gruel hat es aus Schottland importiert. Im alten Holz reifen die edlen Destillate, die als drei-, zehn- oder zwölfjährige Whiskies verkauft werden. Der 13 Jahre gereifte Single Grain ist zur Zeit ausverkauft. So wie dem Konditor, der den Wurstsalat Süßem verzieht, geht es Christian Gruel nicht. Er genießt nach wie vor gerne Single Grain oder Single Malt. Vorzugsweise den eigenen:“ Seit wir Whisky im Haus haben, trinke ich fast keine Obstdestillate mehr.“

Quelle: Stuttgarter Zeitung Nr. 193
Datum: Montag, 23. August 2010

Whisky reift im ehemaligen Kuhstall

Owen- In einem ehemaligen Kuhstall, umgeben von gepressten Heuballen, lagert Hochprozentiges in zwei Dutzend Eichenfässern: purer Whisky. Der edle Tropfen wird nicht etwa in Schottland oder Irland gebrannt, sondern in dem 3000 Einwohner zählenden Ort Owen am Fuße der Schwäbischen Alb. Auf je 100 Einwohner kommt dort eine Schnapsbrennerei, denn das Dorf bringt es auf nicht weniger als 32 Destillierbetriebe.
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Christian Gruel, der über eine 35jährige Erfahrung als Schnapsbrenner verfügt, führt als einziger eine Rarität in seinem Sortiment: Seit 1991 stellt der 60jährige Landwirt auch schwäbischen Whisky her.
Kurz vor Silvester hat Gruel in diesem Jahr wieder mit dem Brennen begonnen. Den Whisky vertreibt er unter seiner eigenen Marke „Single Grain“. Was aus seiner Destillerie kommt, wird von Kennern in ganz Deutschland geschätzt. Mild im Aroma und trotzdem mit kräftigem Körper auf der Zunge liegend- so beschreibt Gruels Abnehmer den Tropfen aus den schwäbischen Highlands. Mit einem Alkoholgehalt von 43 Prozent braucht er sich nicht hinter der Konkurrenz von den britischen Inseln verstecken. Auf den Whisky-Geschmack kam Gruel schon 1978 in Schottland. Doch erst als er das Brennrecht seines verstorbenen Schwiegervaters übernommen hatte, konnte er seinen lange gehegten Traum vom eigenen Whisky verwirklichen. Den dafür benötigten Weizen und das Brennmalz baut er selbst im ökologischen Anbau an. In der Brennerei mit dem blank geputzten stählernen Destillationsapparat riecht es wie in einer Backstube. Zuerst rührt Gruel das Schrot von weizen und Gerstenmalz in große Bottiche mit 60Grad heißem Wasser ein. Dort ruht das Gemisch eine halbe Stunde zur Verzuckerung. Wenn es abgekühlt ist, setzt Gruel die Hefe zu. Dann heißt es vier Tage lang warten, denn erst nach dieser Zeitspanne wird destilliert. Insgesamt 25 Tage braucht der 60jährige, um das für Kleinbrennereien genehmigte Jahreskontingent von 300 Litern Alkohol im Jahr herzustellen. Dann wird das hochprozentige Gebräu in die Fässer gefüllt- und gewartet. „ Ohne Zeit geht beim Whisky gar nichts“, philosophiert der schwäbische Whisky-Pionier. „Schwäbischer Whisky darf nur heißen, was drei Jahre im Eichenfass gelagert war, bevor es in die Flasche kommt.“
Um seinen eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden, übt sich Gruel freilich noch länger in Geduld. Seinen „Single Grain“ lässt er mindestens fünf Jahre im Fass reifen, ehe er ins Glas kommt. 1989 war Gruel ein zweites Mal in Schottland, um sich in die letzten Geheimnisse und Feinheiten der Whisky-Herstellung einweihen zu lassen und weitere Erfahrungen zu sammeln. „Besonders wichtig ist die Fasswahl“, weiß er.
Sein Produkt bekommt die verrauchte Geschmacksrichtung dann auch durch die besondere Behandlung, die dem Eichenfass schon bei dessen Herstellung zuteil wird. „Es wird von innen ausgekohlt, dann wird die Holzkohle weggehobelt“, erklärt der Fachmann.

Quelle: Esslinger Zeitung
Datum: Dienstag, 7. Januar 1997

Whisky aus den schwäbischen Highlands

Schottland und das Schwabenland haben vieles gemeinsam. Einen zurückhaltenden und doch freundlichen Menschenschlag, rauhes Hochland- hier die schwäbische Alb, dort die Heide der Highlands- und ein Nationalgetränk: in Württemberg der Wein, in Schottland der Whisky. Letzterer wird hierzulande immer beliebter, insbesondere der unverschnittene Whisky, der Single Malt. Die Liebe zu dem rauen Getränk verbinden die schwäbischen Malt-Fans zudem oft mit einer großen Begeisterung für das Land der Lochs (Seen) und Glens (Täler).
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So beginnt Schottland für einen der überzeugten Stuttgarter Whisky-Fans nicht nördlich des Hadrian-Walles, sondern im eigenen Haus. Genauer gesagt im Keller der Familie Bartelmess, die sich eine schottische Insel, „Scottish Island“, mitten in Stuttgart-Vaihingen eingerichtet hat. Die Idee dazu sei 1974 entstanden, erzählt Walter Bartelmess, der über seinen Beruf als Elektronikingenieur in den Norden Großbritanniens kam. „ In der schottischen Niederlassung der Firma, für die Ich damals arbeitete, war ein technisches Problem aufgetreten, und mich hatte man hingeschickt, es zu lösen“, erinnert sich Bartelmess. Die wackeren Schotten, die befürchteten, selbst an dem Missstand schuld zu sein, nahmen den schwäbischen Ingenieur erst einmal in einen Pub mit und flößten ihm reichlich Whisky ein. „ Die dachten, dass mir das Problem nach einer Zechtour nicht so groß erscheinen würde“, grinst Bartelmess, der am nächsten Tag zur Verwunderung der Gastgeber wider Erwarten einen sehr frischen Eindruck gemacht habe. „ Die Einheimischen waren so beeindruckt, dass sie mich sofort zum Ehrenschotten ernannt haben.“ Walter Bartelmess war davon so bewegt, dass er spontan den Schwur leistete, zuhause eine schottische Insel zu errichten. Gesagt, getan. Da baurechtlich ein überirdischer Anbau nicht gestattet war, höhlten die Bartelmess´ kurz entschlossen den Garten aus und errichteten ihr „Scottish Island“ unterirdisch. Neben einem Armeedudelsack, zahlreichen Emailleschildern und Nessie-Darstellungen findet der Besucher allerlei Kuriositäten- die exotischste ist sicherlich eine Packung Instant-„Haggis“. Der „Haggis“ ist nicht nur das Nationalgericht- eine Art Gulasch in einem Schafsmagen-, sondern auch der Wolpertinger Schottlands, wegen der komischen Form des Magens, die an ein kleines, dickes Tier erinnert. „Als „Schlüssel“ für das Scottish Island brachten die Besucher immer ein Fläschchen der edlen Brände mit“, berichtet Bartelmess, der mittlerweile 96 verschiedene Sorten im Keller stehen hat. Während eines Urlaubs in Schottland habe man auch das „Whisky Castle“ in Tomintoul besucht, dem einzigen Ort, wo alle bekannten Malt Whiskies verkauft werden. So sei der Plan entstanden, alle Sorten in der Vaihinger Schotteninsel zu vereinigen. Das Ziel ist bereits nahe gerückt, nur 22 Marken fehlen noch. Während Walter Bartelmess eifrig am Sammeln ist, ist Christian Gruel noch einen Schritt weiter gegangen. Der Erzeuger von Edelbränden in Owen/ Teck – einem Ort von ungefähr 3000 Einwohnern, der immerhin 32 Destillerien vorweisen kann – ging vor drei Jahren daran, seinen eigenen „schwäbischen Whisky“ zu brennen. „Man kann sehen, dass der Kreis der Schnapstrinker immer älter wird“, erklärt Gruel. „Die jüngeren Leute haben ganz andere Trinkgewohnheiten, zum Beispiel Grappa und natürlich Single Malt. Wenn man der Zeit nicht hinterherhinken will, muss man als Brenner schon ein bisschen flexibel sein“, mein Gruel, der zweimal zur schottischen Brennerei von Glenfarclas reiste, um sich vor Ort Kenntnisse über die Zubereitung von Whisky zu besorgen. Den Geschmack habe er anfangs nicht so genossen, gibt der Schnapsexperte zu. „Whisky hat eine raue, fast abweisende Seele, die man erst tief ergründen muss, bevor man den Geschmack mag. Und der ist immer typisch für die Gegenden, in denen die einzelnen Marken hergestellt werden.“ Daher findet Gruel, dass Whisky sehr gut zur Schwäbischen Alb passt, die sich in ihren rauen Gegenden auch schroff und abweisend zeigt und sich erst dem erschließt, dem dieser raue Charme liegt.
Vor 3 Jahren begann Gruels Experiment, dass in diesem Jahr zum ersten mal Früchte in Form von ungefähr 180 Liter Whisky trägt. „Drei Jahre muss der Brand mindestens im Fass reifen, bevor man ihn Whisky nennen darf“, erklärt Gruel, der darauf hinweist, dass man in Schottland normalerweise keinen Whisky erhält, der jünger als fünf Jahre ist. Gruels Single Grain- also ein Whisky aus Weizen statt Gerste- wird jedoch sofort versteuert, wenn er gebrannt ist. „In Schottland schlägt der Staat erst bei der Flaschenabfüllung zu. Solange kann ich nicht warten, da ich sonst zuviel Kapital über längere Zeit binde.“ Drei Jahre Wartezeit haben sich indes gelohnt. Während Gruels Blend noch etwas herb schmeckt, zergeht der Single Grain direkt auf der Zunge. Die Fässer, in denen das goldfarbene „Lebenswasser“- die direkte Übersetzung des gälischen Wortes „Uisge Beatha“- im Elternhaus von Gruels Ehefrau Irma reift, hat sich der Brenner eigens von einer Fassfabrik anfertigen lassen. Im Nebenraum stehen die Apparaturen, die zum Whiskybrennen notwendig sind. 25 Tage Arbeit erfordert es, bis Gruel seine Fässer gefüllt hat. Das Grundprodukt ist selbst angebauter Brennweizen. Die Arbeitsgänge vor dem Brennen von Whisky sind praktisch mit dem Bierbrauen identisch – einer Theorie zufolge wurde der Whisky von irischen Mönchen nach Schottland gebracht, die das Verfahren wiederum vom Heiligen Patrick, dem Missionar Irlands, gelernt haben sollen. Um seinem Whisky in den Fässern den letzten Schliff zu geben, hat Gruel diese zwischen Strohballen gelagert, damit der echte Albduft durch das Eichenholz in die bernsteinfarbene Flüssigkeit einzieht.
Ein besonders kritisches Publikum hat den schwäbischen Whisky bereits unter die Lupe genommen. Während des Whisky-Seminars „Meet a Malt“ der Würrtembergischen Sektion von „Slow Food“ wurde der Owen-Grain zusammen mit den berühmten Glenmorangie, Glenlivet, The Bowmore, Talisker, Highland Park, Macallan und vielen anderen verkostet. Karin und Karl Farrent stellten ihren Club-Freunden an vier Abenden die schottischen Lebenswässer vor. Nahezu dreißig Whisky-Fans und solche, die es werden wollten, saßen um die Tische der Weinstube des Weingutes Wöhrwag in Untertürkheim und lauschten den Ausführungen Farrents, die natürlich von einigen Kostproben begleitet wurden. „Alle Marken zu bekommen, war gar nicht so einfach“, gestand Farrent, der im Hauptberuf Musiker ist. Tatkräftige Hilfe habe er von Torsten Sellenthin erfahren, einem Single-Malt-Fan, der aus seinem Hobby einen Nebenberuf gemacht hat: Seit einigen Jahren betreibt er „Whisky Connection“, einen Versand seltener Marken. Durch diese nicht alltägliche Art, einem Hobby zu frönen, kam Sellenthin auch an den wohl exotischste Malt, der während des Slow-Food-Seminars verkostet wurde. Ein ungefilterter Single Single, ein Brand, der aus nur einem Fass abgefüllt werden darf. Der Erzeuger ist Michel Couvreur, ein Belgier, der in Burgund seine schottischen Brände in einem Felsenkeller lagert und ganz unbescheiden behauptet, den besten Whisky überhaupt zu verkaufen.
Welche Marke nun die beste ist – man kann sich streiten. Jeder Geschmack ist anders, und während der eine den Meerduft im „Highland Park“ liebt, bevorzugt der andere den Charakter eines Destillats aus den Lowlands. Der nächste schwört auf einen der Speyside-Stile, und wieder ein anderer lässt für einen der drei Brände aus Campbeltown alle anderen stehen. Wer jedoch an einem der Winterabende aus dem nasskalten Wetter zum Whisky-Seminar kam, erhielt einen starken Eindruck von dem Flair, das Schottland an einem rauen Tag umgibt, und dem Gefühl, das sich einstellt, wenn man sich in einer warmen Stube aufwärmt. Dazu gehören natürlich – neben Tee und Walnusskuchen – ein guter Schluck Whisky, eine gute Geschichte und ein alter gälischer Trinkspruch: Slainthe Mhath.

Quelle: Thomas Schwarz/ Horst Rudel, Stuttgarter Zeitung Nr. 302
Datum: Samstag, 31. Dezember 1994

Das Mekka der Schnapstrinker

Der unverwechselbare Geruch der Schnapsbrennerei liegt auf dem Hof Christian Gruels in der Owener Neuen Straße. Gruel ist einer von 34 Schnapsbrennern in dem 3000-Seelen-Städtchen unterhalb der Burg Teck.
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Die Brennerei hat in dem von Streuobstwiesen umgebenen Owen eine lange Tradition und heute kann die Teckstadt wohl das dichteste Netz an Obstbrennereien im Kreis Esslingen aufweisen. Selbst die Owener Kanalisation kann ein Lied davon singen. Obwohl verboten, wurden in den letzten 50 Jahren immer wieder Abwässer aus den Brennereien ins Kanalnetz geleitet, das heute das heute auf einigen Strecken von dem aggressiven Fruchtwasser stark angefressen ist. „Schwarze Schafe gibt es überall“, meint Christian Gruel, der Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Owen und Mitglied der Prüfungskommission im Klein- und Obstbrennerverband in Nord-Württemberg ist. Strenge Vorschriften und Kontrollen sorgen heute dafür, dass solche schwarzen Schafe immer seltener werden. Auch die berühmten Schwarzbrenner dürften weitgehend ausgestorben sein. Wer heute Kirschwasser, Zwetschgenwasser oder Obstler herstellen möchte, muss dafür zunächst einmal eine Konzession besitzen und zudem jeden Brand mit exakter Mengenangabe, Uhrzeit und Art des Obstes spätestens fünf Werktage zuvor beim Hauptzollamt in Stuttgart anmelden. Kontrollen sind dabei keineswegs eine Seltenheit. Gebrannt wird in der Regel schon ab September. Christian Gruel beginnt mit dem Brennen des Kirschwassers. Kirschen sollen nur rund sechs Wochen eingeschlagen werden, damit der Auszug aus den Steinen nicht zu stark wird. Dem Kirsch folgt der Williams, wegen seines intensiven Aromas das Lieblingswässerchen vieler Schnapstrinker. Für den Obstler werden ein bis zwei Jahre eingelagerter Äpfel- und Birnensaft verwendet. Außerdem brennt Gruel noch Zwetschgen- und Mirabellenwasser und Himbeergeist. Während früher meist in zwei Etappen – Rauhbrand und Feinbrand – gearbeitet wurde, bevorzugen die meisten Brenner heute die einmalige Fertigung, die nach Auskunft von Christian Gruel die gleiche Qualität hervorbringt.Der Brandvorgang selbst ist keinesfalls ein Kinderspiel. Wer ein hochwertiges Produkt erzeugen will, muss sein Handwerk grundlegend erlernen. Christian Gruel besucht deshalb auch heute noch immer wieder Fortbildungsseminare. Bis zu 150 Liter können in seinen mit Holz befeuerten Kessel geschüttet werden. Schon bald nachdem der Ofen nochmals kräftig angeheizt wurde, breitet sich im ganzen Raum der Geruch des hochprozentigen Alkohols aus. Der Dampf steigt über eine sinnigerweise Geistrohr genannte Leitung zum Feinbrandgerät. Über verschiedene Böden kann dort der Alkoholgehalt gesteuert werden: je hochprozentiger desto höher steigt der Dampf. Grundsätzlich wird in Vorlauf, Mittellauf und Nachlauf unterschieden.
Das Endprodukt wird ausschließlich aus dem Mittellauf erzeugt, den Nachlauf gibt der Brenner meist beim nächsten Brand dem Obstsaft zu.80 Volumenprozent hat der edle Trinkbranntwein, den Christian Gruel bei diesem Brand gewonnen hat. Mit absolut härtefreiem Wasser aus dem Levatitfilter wird der Obstler auf 40 Prozent heruntergesetzt. Rund zwei Stunden nimmt ein Brandvorgang in Anspruch. An diesem Tag ist Gruel ausschließlich als Lohnbrenner tätig, das heißt, er brennt für Kunden deren Obst. Die Schnapsbrennerei ist für den Landwirt keineswegs ein Freizeit-oder Nebenerwerbsvergnügen, sondern macht knapp die Hälfte des gesamten Betriebs aus. „Ohne die Brennerei könnte unsere kleine Landwirtschaft nicht überleben.“
Seinen mit vielen Medaillen ausgezeichneten Schnaps vermarktet Gruel fast ausschließlich selbst. Sein Erfolgsgeheimnis heißt dabei schlicht Qualität. „Wer einmal gekauft hat, kommt meist wieder“, weiß er. Als Mitglied der Prüfungskommission im Landesverband der Klein- und Obstbrenner in Nord-Württemberg kennt er die Qualitätsanforderungen natürlich sehr genau. Persönlich ist Christian Gruel übrigens kein großer Freund des hochprozentigen Gebräus.
Etwa zehn Owener Schnapsbrenner bestreiten mit den edlen Getränken einen großen Teil ihres Lebensunterhaltes. Immer mehr gehen den Weg der Direktvermarktung, nur noch die Hälfte liefert ihre Produkte beim Großhändler ab. So kommt es, dass Owen mittlerweile als Mekka der Schnapstrinker weit über die Grenzen Baden-Württembergs bekannt ist. Bis aus Hamburg kommen Christian Gruels Kunden.

Quelle: Frank Hoffmann, Der Teckbote, Sonderseite
Datum: Samstag, 30. März 1991
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